Die Idee des Projektes

Seit 1968 unterstützt die Hildegardisschule die Arbeit der Franziskaner im Nordosten Brasiliens. Der Kontakt mit Bacabal, einem der ärmsten Gebiete Lateinamerikas, kam durch den Franziskanerpater Josef Schlütter zustande, der lange die Schulgemeinschaft durch seine Briefe und Besuche auf dem Laufenden hielt. Frei Jose Schlütter wurde von Bacabal nach Sao Luis versetzt. Von da an unterstützte die Hildegardisschule die Frei Alberto Schule in Sao Luis, hielt aber am Traditionsnamen ‚Bacabal’ fest.  Der plötzliche Tod Pater Jose Schlütters am 21.02.2003 machten seinen Besuch an der Hildegardisschule zunichte, trotzdem wird unsere Solidaritätsarbeit fortbestehen.

Früh gründete sich an unserer Schule die Bacabal-Gruppe, die bis heute – selbstverständlich in anderer personeller Zusammensetzung – fortbesteht. Es handelt sich um eine offene Arbeitsgruppe von Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern, die das jährliche Bacabal-Projekt klassen- und schulformübergreifend managt.

Das Team pflegt Kontakte zu den Franziskanern, lädt Referentinnen und Referenten zum Informationstag ein und erstellt die Organisationspläne für die Informations- und Aktionstage sowie für den Solidaritätstag. Das Interesse der Schulgemeinschaft für Bacabal und die Eine-Welt-Thematik das ganze Jahr über wach zu halten, ist allen ein wichtiges Anliegen.

Das Projekt soll zu solidarischem Handeln befähigen. Informationsveranstaltungen mit Brasilien-Experten motivieren die Schülerinnen und Schüler zu persönlichem Einsatz. Jährlich stellen sie an zwei Aktionstagen Geschenk- und Gebrauchsartikel, Leckereien und Spiele her, bereiten Mitmachaktionen vor, proben Theater- und Tanzaufführungen und bereiten die Herausgabe der Schulzeitung vor. Alles das wird am Solidaritätstag Bacabal -traditionell der dritte Samstag im November - präsentiert.

Der Erlös des Solidaritätstages dient der Unterstützung der Frei-Alberto-Schule in Sao Luis, Hauptstadt des Bundesstaates Maranhao. Diese Grundschule in Trägerschaft des Franziskanerordens besuchen rund 1.200 Kinder aus den Elendsvierteln der Metropole. Die Gelder der Hildegardisschule werden von dem Verwaltungsdirektor, Pater Ewald Dimon, dazu verwandt, die Lehrerinnen zu entlohnen, die tägliche Schulspeisung zu finanzieren und die Schulbücher zu beschaffen. Wie die pädagogische Leiterin, Dona Angelica de Araujo Costa, betont, wird an der Frei Alberto Schule nicht nur Wert auf fachliche Qualifikation, sondern auch und gerade auf die ermutigende Erziehung zur Selbstbewussten und urteilsfähigen Persönlichkeit.

Dass den Armen in den Elendsvierteln von Sao Luis durch Bildung eine bessere Lebenschance eröffnet werden muss, hängt mit den Ursachen der Armut zusammen, zu denen die enorme ökonomische Ungleichheit zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern gehört. Den Eine-Welt-Zusammenhang in unser Bewusstsein zu heben und gegebenenfalls die Änderung eigenen Produktions- und Konsumverhaltens ins Visier zu nehmen, ist ein zweites Ziel des Bacabal-Projekts. Dom Helder Camara, ehemaliger Erzbischof von Recife, hat die Richtung gewiesen: "Unsere helfende Hand stößt die Menschen tiefer in soziale Abhängigkeit, außer wir entscheiden uns gleichzeitig zu Taten, die der Armut an die Wurzel gehen."

Beides, das Erwirtschaften finanzieller Fördermittel für die Frei-Alberto-Schule sowie die Bewusstseinsbildung und Verhaltensüberprüfung bei uns selbst, ist für das Bacabal-Projekt bestimmend.