SchülerInnen denken

Abenteuer eines Hildegardisschülers

Von Simon Grönewäller (AHR 13c)

Kaffee-PixabayWenn man euch fragen würde, was ihr an unserer Schule am besten findet, was würdet ihr sagen?
Ich denke, die meisten würden das immer funktionstüchtige Wlan nennen, die vielen Treppen, die einen am Morgen schön wachmachen, oder das gute Angebot an unkomplizierten Apple-Computern.
Ironie beiseite, ich denke, es gibt vieles an und in unserer Schule, das man wirklich mögen kann.
Ich zum Beispiel bin zum Beispiel froh, dass wir überhaupt Wlan haben, und dazu noch Laptops, Tablets und Computer. Auch wenn die meisten von Apple sind. Die Lehrer kann man nicht mit denen von anderen Schulen vergleichen, und das Essen in der Mensa ist fast schon besser als das, was es Zuhause gibt. Das Allerbeste an unserer Schule ist aber nicht der Lachs auf Blattspinat oder gar der Taco-Salat (auch wenn der ziemlich nah dran kommt), sondern der Kaffeeautomat.

Ja, richtig gelesen.

Ich bin, meiner bescheidenen Meinung nach, schon ziemlich viel rumgekommen.
An einer amerikanischen Raststätte traf ich einmal auf Kaffeeautomaten, die man mit Touch bedienen konnte. In Japan gibt es tatsächlich einen Automaten, der freies Internet verspricht.   
In einem Pub in Irland sah ich einen Kaffeeautomaten, der „irish-coffee“ servierte.
Leider hieß er nur so, den Schuss Whisky musste man sich wohl vorne an der Bar holen.
Und letztens in Taizé befriedigte ich meine Kaffeesucht an einem Fair-Trade-Kaffeeautomaten.
Verwirrend für mich war, dass dieser sogar Öffnungszeiten hatte: man konnte sich nach 22 Uhr keinen Kaffee mehr bestellen. Arbeiterrechte für Automaten? Gut, dass Rotrotgrün in den Wahlen zu schwach war, sonst hätte unser Automat an der Hilde vielleicht auch noch Öffnungszeiten, oder- Gott bewahre- Pausenzeiten. Wahrscheinlich müssten wir dann auch mehr als 50 Cent pro Becher bezahlen, damit der Automat seine fünf Versicherungen bezahlen kann, so wie das hier in Deutschland gang und gäbe ist. Dass er solche Versicherungen auch wirklich nötig hätte, darauf komme ich später nochmal zurück.
Wieso aber finde ich gerade unseren unscheinbaren Kaffeeautomaten so toll?

Es gibt viele Gründe.

Ich habe noch nie einen Automaten mit einer so breiten Auswahl an Getränkesorten gesehen, und das noch für nur 50 Cent.
Erstmal gibt es sage und schreibe 13 Auswahlmöglichkeiten (an einer einzigen Maschine!)  zwischen Espresso, Cappuccino, dem „Moccachino“, den mir der Automat immer andrehen möchte (-„probieren sie doch mal Moccachino“), der aber ehrlich gesagt nach einer Mischung aus aus frischem Straßenasphalt und Darmproblemen schmeckt, drei verschiedenen Kakaogetränken (wobei mir der Unterschied nach eineinhalb Jahren gestresstem Abiturientendasein immer noch nicht bewusst ist), und schlichtem schwarzem Bohnenkaffee. Das Problem bei Letzterem ist, dass seine Zubereitung lauter ist als die Trompeten von Jericho. Ich habe jedes Mal, wenn mir nach Bohnenkaffee ist, berechtigte Angst, dass das fast schon antike Obergeschoss in der Hilde in sich zusammenstürzt und die Schuld mir gegeben wird, weil ich Bohnenkaffee bestellt habe.
Vielleicht würden wir in jenem Falle da oben zumindest neue Fenster bekommen, die ja wortwörtlich denkmalgeschützt sind, was man auch an ihren Isolationseigenschaften unschwer erkennen kann.
Wirklich, die armen Schüler und Lehrer, die sich in den 400er-Räumen quälen müssen, tun mir leid. Man stelle sich nur vor: Ein ordinärer Tag im Schülerleben in der Hildegardisschule. Es ist Montag. Der Bus ist mal wieder zu spät gekommen, weshalb man erst um 7:54 an der Schule ankommt (reicht die Zeit für einen kurzen Kaffee?), um dann unter Zeitdruck die Treppe hochzurasen. Wenn man nicht grade die Beine eines Athleten hat, ist das ziemlich unbequem.
Man rennt also total schweißgebadet nach oben, wo man dann, wenn man angekommen ist, links im Gang den Aufzug sieht, aus dem heraus der jeweilige Fachlehrer einen lächelnd begrüßt. Ihnen auch einen schönen guten Morgen. Nachdem man also genau rechtzeitig ins Klassenzimmer kommt, wird man, abhängig von der Jahreszeit, von einer infernalischen Hitzewelle umgehauen oder erfriert wegen einer sanften Brise, die dem tiefsten Norden Sibiriens zu entstammen scheint.
Der Unterricht zieht sich dann noch eine Weile hin, bis man nach zwei Stunden in die Pause geht.

So ein kleiner Kaffee wäre ja ganz schön, denkt man sich dann vielleicht, und geht gemütlich die rund 147632,5 Treppenstufen von neuem herab. Man sieht schon den Automaten in all seiner künstlerischen Pracht, welcher Pragmatismus und kreative Ästhetik in einer perfekten Dialektik vereint. Was für Buddhisten das Jing und Jang ist, ist für mich dieser Kaffeeautomat.
Gut, nicht wirklich. Er ist ein hässlicher Klotz, aus dem Kaffee kommt. Aber egal.
Jedenfalls nähert man sich dem klobigen Kaffeeautomaten, um sein hart verdientes Taschengeld für das braune Gold umzutauschen. Und dann steht da „Service aus_03“!
Grr. Für diejenigen, die mit Technik nichts anfangen können: Das bedeutet, dass der Service aus ist. Sollte ich jetzt also mit 2,30€ zu Hoberg gehen und mir einen überteuerten Kaffee kaufen? Soll ich den nächsten Zug nach Hause nehmen und mir Filterkaffee zubereiten? Irgendetwas muss getan werden!

Also renne ich zu meiner Klassenlehrerin, die mir versichert, dass sich drum gekümmert wird. Ganz, als würde sie den Ernst der Lage nicht verstehen.
Es geht hier nicht um einen Stromausfall oder ein Attentat.
Es geht um meinen Pulverkaffee. Es.geht.um.meinen.Pulverkaffee.
Aber gut. Wie heißt es noch so schön? Scivias. Wisse die Wege.
Nur weiß ich den Weg grade nicht. Ich glaube, wenn ich zu Gott beten würde, wie die gute Hildegard, würde mir auch kein Kaffee geschenkt.
Und so beginnt mein unfreiwilliger Kaffee-Entzug.

Die ersten paar Stunden sind die Hölle. Ich halte durch, bis der Tag vorbei ist und ich nach Hause kann.
Am nächsten Tag, einem Dienstag, ist wieder Schule. Der Kaffeeautomat ist immer noch kaputt. Hm. Diesmal habe ich mich vorbereitet und bezahle den Bonzen-Kaffee bei Hoberg. Keine Dauerlösung, aber wirksam.

Der dritte Tag ist ein Mittwoch. Der Kaffeeautomat ist immer noch tot, und meine Hoffnung am Sterben.
Es fällt mir schwer, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen, und wenn ich es versuche, denke ich an Kaffee.
Also nochmal rüber zu Hoberg und das Bruttoinlandsprodukt steigern.

Am Donnerstag habe ich selber Kaffee mitgenommen. Eine Thermoskanne, die für Normalsterbliche als Monatsration angesehen werden könnte. 
Kaffee selber zu machen ist aber stressig und irgendwie fehlt mir der Automat doch. Als ich vorbeischaue, ist er immer noch kaputt. Machste nichts.
Freitagmorgens werde ich dann wieder von einem „Probieren sie doch mal Moccachino“ begrüßt. Mein Herz macht Sprünge!
Ich hole mein Portemonnaie raus um Geld zu finden.

Ich finde kein Geld.
(-.,.,-)

 




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