Schule lebt

Kochen verbindet

Von Eva Prange

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Wer kennt das nicht? Wenn Menschen miteinander reden wollen, landen sie sehr schnell in der Küche. Was lag da näher, als die Küche zum Ort eines inklusiv gestalteten Differenzierungskurses zu machen! So dachte man zumindest bei der Vorbereitung des Differenzierungskurses „Geschmack inklusiv(e)“, der seit mehr als einem Jahr als Kooperationsprojekt zwischen Studierenden der Oberstufe der Heilerziehungspflege und inklusiv betreuten Schülerinnen und Schülern des Schillergymnasiums durchgeführt wird.

In dem Kurs soll neben dem Erwerb von hauswirtschaftlichen Kompetenzen vor allem der inklusive Gedanke im Vordergrund stehen. Inklusion bedeutet, dass alle Menschen in unserer Gesellschaft -  unabhängig von ihren individuellen Fähigkeiten, ihrer ethnischen und sozialen Herkunft, ihrem Geschlecht oder Alter- gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben sollen. Auch Schulen müssen sich der Aufgabe der Inklusion stellen. Wie kann nun aber Inklusion von angehenden Heilerziehungspflegern und Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf gelingen? Schließlich sind die Qualifikationen der Gruppen so heterogen, dass gerade hier ein gemeinsames Lernen nicht möglich erscheint.  Auch muss die Frage erlaubt sein, wie ein gemeinsames Lernen auf Augenhöhe möglich sein kann, wenn Menschen mit besonderem Förderbefarf gleichzeitig in anderen Kontexten die Zielgruppe der angehenden Heilerziehungspfleger bilden.

Inklusives-KochenNach einer ersten Kennenlern- und Planungsphase bei einem gesunden Frühstück wurden im Austausch vier Themenbereiche für die Module festgelegt. Schnell sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Kontakt getreten über verschiedene Ernährungsweisen, das Lieblingsessen oder Schwierigkeiten in der Nahrungszubereitung, so dass eine gute Atmosphäre als Grundlage für ein gemeinsames Lernen geschaffen werden konnte. Es wurden in vier Modulen, die jeweils geblockt in dem Schuljahr stattfanden, gesunde und genussvolle Rezepte für verschiedene Anlässe und Mahlzeiten gekocht. In variierenden Kochgruppen, in denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gegenseitig entsprechend ihrer Fähigkeiten unterstützten, wurden die Rezepte zu Themen wie z.B. „Weihnachtsplätzchen“ oder „gesund Grillen“ arbeitsteilig zubereitet und ansprechend angerichtet. Anschließend durfte ein gemeinsamer Verzehr an einer festlich gedeckten Tafel natürlich nicht fehlen.

Ungezwungene Begegnungen und der Spaß am Kochen in den Modulen führten bei allen Beteiligten zu hohem Engagement und großer Lernbereitschaft, denn Kochen verbindet. Ob SchülerIn der Heilerziehungspflege oder der Inklusionsklasse: Hier lernten alle Dinge, von denen sie bisher noch nichts verstanden. Eine Schülerin der HEP-O beschrieb den vergangenen Kurs so: „Die Stimmung während des gesamten Zeitraums war ausgeglichen und herzlich. Wir sind im Laufe der Module zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen, in der Hilfsbereitschaft und Unterstützung an erster Stelle standen. Aufgrund der selbstständigen und gut funktionierenden Kochprozesse ergaben sich auch Gelegenheiten für persönliche Gespräche. Durch gut strukturierte Lernphasen konnten wir unsere Fähigkeiten im hauswirtschaftlichen Bereich erweitern. So bekamen wir beispielsweise einen Einblick in die Wäschepflege oder in die gesunde Ernährung.“

Inklusives Kochen 5„Rückblickend war der Differenzierungskurs „Geschmack inklusive“ ein erfolgreiches und empfehlenswertes Projekt, das allen Beteiligten Spaß brachte“, so reflektierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Differenzierungskurs. Auch Herr Bürschel (Sonderpädagoge des Schillergymnasiums) schwärmte auf der Entlassfeier der inklusiven Schülerinnen und Schüler des Schillergymnasiums von „der tollen Atmosphäre,  durch die ein gemeinsames Lernen in der Küche möglich wurde“.

MangelnUnser Fazit lautet: „Inklusion in der Küche“ ist ein gewinnbringendes Modell des gemeinsamen Lernens und gerade durch die praxisnahe Anbindung in der Küche umsetzbar. Deshalb soll im nächsten Schuljahr die kulinarische Reise weitergehen. Zukünftig wäre es durchaus vorstellbar das praktisch unterrichtete Angebot weiter auszubauen z.B. im Bereich der Textilpflege. 

 




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