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Gute Lehrer in schwierigen pädagogischen Situationen: Letzte Stunde vor der Klausur

Eine Fotostory von Alina Henzel, Miriam Schürhoff, Marieke Loos, Melina Firch und Leah Straub

 

Mathelehrer-PixabayEs läuft die letzte Doppelstunde vor der LK-Klausur im Fach Mathematik, die am kommenden Tag geschrieben wird. Herr Bartels, der Fachlehrer, hat die letzte Woche krankheitsbedingt gefehlt. Da die LK-Klausur parallel mit einem anderen LK geschrieben wird, muss er unbedingt noch ein Thema abschließen; denn die Bearbeitung des Themas ist Voraussetzung für die Lösung der vierten Aufgabe in der Klausur.  Vom Leistungskurs wird Herr Bartels schon ungeduldig empfangen. Die Schüler und Schülerinnen der Klasse machen Herrn Bartels darauf aufmerksam, dass er unmöglich im Stoff weitermachen kann, da ihnen ein Beweis, den er in der letzten Stunde geführt habe, noch nicht verständlich geworden sei. Dieser Beweis müsse also zunächst mal für sie alle nachvollziehbar erklärt werden. Herr Bartels ist der festen Überzeugung, dass alle Schritte dieses Beweises hinreichend erklärt wurden und daher nichts offengeblieben sei.

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Erläuterung der Situation:

In unserer Situation hat der Lehrer krankheitsbedingt gefehlt und die Schüler regen sich darüber auf, dass einige den wichtigen Stoff der anstehenden Klausur noch nicht verstanden haben. In der abgebildeten Doppelstunde möchte der Lehrer nun die Zeit für ein weiteres, neues klausurrelevantes Thema nutzen, statt das alte Thema nochmal zu wiederholen, da er auch der Meinung ist, dass die Schüler das andere Thema schon verstanden haben müssten. In unserem Lösungsvorschlag versucht der Lehrer nun auf die Kritik der Schüler einzugehen und beides zu realisieren. Dazu macht er das Angebot, in der Pause das alte Thema zu wiederholen und die Doppelstunde für die Bearbeitung des neuen Themas zu nutzen. Dies ist für die Schüler eine Option und kein Muss.

Der Lehrer hat eine Vorbildfunktion für die Schüler. Dies lässt sich auf das Modelllernen zurückführen. Indem der Lehrer in dieser Situation auf die Kritik bzw. die Wünsche der Schüler eingeht, das vorherige Thema noch einmal zu wiederholen, statt diese einfach abzuwimmeln, begegnet er ihnen mit Respekt. Respektvolles Verhalten ist für die Entwicklung zur Autonomie unerlässlich. Verschiedene Schüler reagieren unterschiedlich auf Probleme und brauchen demnach verschiedene Lösungswege. Der Lehrer geht auf die verschiedenen Schüler ein und muss ihre Reaktion einschätzen, dabei ist es wichtig, dass alle Schüler beachtet werden. Unterschiedliche Typen von Schülern brauchen verschiedene Anreize, um Motivation aufzubauen. Indem der Lehrer auf die Probleme der Schüler eingeht, fühlen sich diese anerkannt und angenommen. Dadurch gewinnen die Schüler Vertrauen in den Lehrer und in seine Hilfestellung. Der Lehrer versetzt sich in diesem Moment in den Schüler hinein und kann auf diesem Weg die Gefühle der Schüler nachvollziehen. Deshalb fällt es ihm leicht, die Kritik der Schüler anzunehmen und dementsprechend einen Lösungsweg zu entwickeln. Dies stellt eine sichere Schüler-Lehrer-Bindung dar.

Durch die sichere Bindung gewährt der Lehrer den Schülern Partizipation. Dies erkennt man in unserer Szene daran, dass er sowohl neutrale als auch unmotivierte Personen miteinbezieht und auf ihre Bedürfnisse und Interessen eingeht. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass der Lehrer empathisch und kritikfähig ist.

Bezieht man die Situation auf Korczak, dann lässt sich erkennen, dass der Lehrer zeigen möchte, dass er sich gleichgestellt mit den Schülern sieht. Er steht nicht über ihnen. Hier bestätigt sich nochmals die gewollte Partizipation. Dadurch vermittelt er außerdem demokratische Verhaltensweisen, welche wichtig für seine Vorbildfunktion und somit auch für das Modelllernen sind. Das demokratische Verhalten lässt sich auch bei der Reggio-Pädagogik erkennen. Außerdem wird durch die Person, die motiviert ist aber das Fach nicht allzu gut beherrscht, deutlich, dass Personen durch derartiges Lehrer-/ Erzieherverhalten ein natürliches Interesse an solcherlei Sachverhalten entwickeln können.

Durch die sichere Lehrer-Schüler-Bindung und die Partizipation sowie die Vorbildfunktion des Lehrers, welche durch das Lehrerverhalten gegenüber der Klasse in der Konfliktsituation deutlich wird, lassen sich letztendlich alle Schüler auf den Lösungsvorschlag ein bzw. der Lehrer lässt den Schülern offen, ob sie an dem erweiterten Lernangebot in der Pause teilnehmen wollen oder nicht. Dadurch gelingt es ihm, auf die Bedürfnisse jedes Schülers einzugehen. Ob die Schüler das zusätzliche Angebot nun wahrnehmen oder nicht, liegt nun an den Interessen und den Prioritäten der Schüler.

 







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